Die SP Zuzwil-Züberwangen-Weieren setzt sich seit Jahrzehnten unter anderem für Kinder und Jugendliche ein, insbesondere zur kommunalen Jugendarbeit und Jugendpolitik. Um die bisherigen Bestrebungen zur Verbesserung zu bündeln, erstellt sie ein Positionspapier.
Umsetzung Gesetzesaufträge
- Bundesverfassung Art. 11, Abs. 1 und Art. 67
1 Bund und Kantone tragen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben den besonderen Förderungs- und Schutzbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Rechnung.
- UN-Kinderrechtskonvention
Schützt und anerkennt Kinder als eigenständige Personen mit eigenen Zielen und eigenem Willen und fordert, dass das Wohl des Kindes bei allen Entscheidungen, die es betreffen, vorrangig berücksichtigt wird. Damit wird das Kind auch als Rechtspersönlichkeit anerkannt.
- Kantonales Einführungsgesetz zum ZGB (sGs 911.1) Art. 58bis:
1 Die politische Gemeinde sorgt für eine ganzheitliche Kinder- und Jugendhilfe. Diese umfasst Kinder- und Jugendarbeit, Kinder- und Jugendschutz sowie Kinder- und Jugendberatung. […]
3 Die politische Gemeinde berücksichtigt die Anliegen von Kindern und Jugendlichen.
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- Kantonaler Leitfaden «Kommunale Kinder- und Jugendpolitik und frühe Förderung»
Vereine und weitere Institutionen leisten zwar einen wertvollen Beitrag. Doch existieren weder eine kommunale professionelle Kinder- und Jugendarbeit noch eine (niederschwellige) Kinder- und Jugendberatung, was (ergänzende) Gemeindeaufgabe ist. Weiter werden Kinder und Jugendliche zu Entscheidungen, die es betreffen, nicht angehört.
Aufbau professionelle kommunale Kinder- und Jugendarbeit
Kinder und Jugendliche haben gleiches Anrecht auf professionell ausgebildetes Fachpersonal wie Erwachsene. Eine Jugendarbeitsstelle muss mit mindestens 100 Stellenprozent aus zwei in Sozialer Arbeit ausgebildeten Personen beider Geschlechter besetzt sein. Es sollen folgende Schwerpunkte angeboten werden: Jugendtreff, Projekte/Anlässe, Aufsuchende Arbeit sowie Beratung.
Im Kanton gibt es nur noch einzelne Gemeinden ohne kommunale Jugendarbeit – Zuzwil gehört zum kantonalen Schlusslicht.
Anwendung der Antworten aus der Jugendbefragung
Im 2019 gab es eine Jugendbefragung in Niederhelfenschwil und Zuzwil, davon 55% der Teilnehmenden aus Zuzwil. Für 46% der Zuzwiler hat es zu wenig Räume für sie. 43% finden, dass es zu wenig Angebote für sie hat. 50% finden, dass sie nicht oder eher nicht mitgestalten resp. mitentscheiden können. Gut 20% sind nicht in Vereinen aktiv. 93% sprechen sich fürs MidnightSports aus. Nebst Wunsch eines Jugendraumes («Jugendtreff») im Dorf werden weitere Wünsche geäussert wie Pumptrack (den die Gemeinde wiederholt verschoben hat), Skateranlage oder Soccercurt.
Überarbeitung und Anwendung Kinder- und Jugendleitbild
Das Kinder- und Jugendleitbild entspricht in diversen Punkten nicht dem aktuellen Stand und dem Sinn von Kinder- und Jugendpolitik, bzw. Kinder- und Jugendarbeit (vgl. unsere Stellungnahme vom 18.01.2018).
Wiedereinsetzung einer Jugendkommission
Die Jugendkommission wurde per 31.12.2024 aus Spargründen abgeschafft. Hier wird am falschen Ort gespart. Eine Kinder- und Jugendkommission ist ein strategisches Organ, welches der Jugendbeauftragten Rückhalt gibt und sie bei den Aufgaben unterstützt. Sie setzt sich für die Anliegen und Interessen von Kindern und Jugendlichen ein. Sie setzt sich zusammen aus Akteurinnen und Akteuren von Politik, Verwaltung, Schule, Kirche, sozialen Diensten (Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, weitere Sozialberatungsstellen), Vereinen/Verbänden sowie aus Delegierten von Elterngremien, Kindern und Jugendlichen. Die Kommission erfüllt weitere Aufgaben wie: Beratung und strategische Mitarbeit, Informationsplattform, Partizipation von politischen Prozessen, Interessensvertretung, Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung, Zusammenarbeit.
Ausübung der Kinder- und Jugendpolitik
Kinder- und Jugendpolitik umfasst einerseits Angebote zur Förderung, Beratung sowie Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien im Altersspektrum Geburt bis 25. Altersjahr. Anderseits beinhaltet sie Prozesse und Strukturen, die auf ein bedarfsorientiertes Zusammenspiel dieser Angebote zielen und die Beteiligung/Mitwirkung (Partizipation) von Kindern und Jugendlichen fördern.
Hierzu einige Ideen:
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- Lancierung eines Jugend(gemeinde)rates / Jugendparlamentes:
Das politische Verständnis und Interesse werden gefördert. Kinder und Jugendliche erhalten ein Mitspracherecht bei gemeinderelevanten Themen und werden analog UN-Kinderrechtskonvention angehört. Sie entwickeln ein Verantwortungsbewusstsein und Prozessverständnis.
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- Erstellung eines Familien-/Generationenzentrums
Eine Möglichkeit, Synergien zu nutzen, Generationen zu fördern und ein Zusammenspiel verschiedener Angebote herzustellen.
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- Förderung von musikalischen Hobbys
Junge Bands, Musikgruppen oder Solokünstler werden gefördert, in dem entsprechende Ressourcen wie Proberäume, Equipment oder Finanzen zur Verfügung gestellt werden. Workshops z.B. zu Musikproduktion mittels Software könnten angeboten werden.
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- Unterstützung im schulischen / ausserschulischen Kontext
Ergänzende Lern- oder Nachhilfeangebote von Jugendlichen und weiteren Freiwilligen für Jugendliche. Kooperation mit der Schule. Sackgeld-Jobbörse mit Kompetenzerwerb für Jugendliche und Unterstützung für Einwohner. Oder weitere niederschwellige Angebote in entspannter Atmosphäre. Diese Punkte könnte bspw. eine kommunale Jugendarbeitsstelle koordinieren/vermitteln.
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- Räume für Kinder und Jugendliche
In diesen Aussen- und Innenräumen können verschiedene Ideen umgesetzt werden: Kreativatelier, Werken, Gestalten, Treffs, Events, Partys, etc. Dies fördert die Gemeinschaft, schafft Begegnungsräume und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Weiter kann mit Vereinen, Musikern, DJ-Teams und weiteren Künstlern zusammengearbeitet werden.
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- Digitales und (Soziale) Medien
Medienkompetenzen von Kindern und Jugendlichen fördern bspw. durch Filmprojekte, Fotografie, Social-Media-Workshops, Podcasts. Gleichzeitig könnten Kurse und Workshops für Erwachsene angeboten werden. Einrichtung eines kleinen Medienraums mit entsprechendem Equipement (PC’s, Kamera, Schnittsoftware, etc). Jugendliche lernen dabei Technik sinnvoll und kritisch zu nutzen sowie Fake-News zu erkennen.
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- Workshops, Kurse und Ferienprogramm
Kann auch als eigener Punkt genannt werden, da vielfältig. Angebote wie Kunst (Leinwand, Graffiti, Malen), Kochen, Umgang mit Sackgeld, Suchtmittelkonsum, rechtliche Fragestellungen, Lager, Projekte, Ferienprogramme, usw. Fördert die Kreativität und persönliche Entwicklung.